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Die Ursachen der MS sind nicht bekannt. Es wird
vermutet, dass sie durch Viren ausgelöst werden kann.
Aber dazu gibt es noch andere Faktoren, die beim Auslösen
der Krankheit eine Rolle spielen können
Umweltfaktoren
MS tritt nicht in allen Ländern der Welt mit der
gleichen Häufigkeit auf. MS betrifft insbesondere die
weiße Bevölkerung in Europa, Nordamerika und
Australien. Die Unterschiede sind zwar nicht so groß,
wie wir bisher gedacht haben, aber wir wissen heute,
dass MS sowohl auf der nördlichen als auch auf der südlichen
Hemisphäre häufiger wird, je weiter das Land vom Äquator
entfernt ist. In der Vergangenheit sind Studien zu den
Auswirkungen des Zeitpunktes der Emigration durchgeführt
worden. MS tritt in Ländern wie Israel und Südafrika
relativ seltener und in England relativ häufiger auf.
Allem Anschein nach bleibt bei Erwachsenen, die
auswandern, das MS- Erkrankungsrisiko genauso hoch wie
in ihrem Heimatland. Dagegen nehmen Kinder, die
emigrieren, das MS- Erkrankungsrisiko des neuen
Heimatlandes an. Es scheint irgendwo um das 15.
Lebensjahr herum einen Wendepunkt zu geben, der das
Risiko, an MS zu erkranken, stark beeinflusst. Deshalb
wird oft angenommen, das die Umwelt, in der Menschen
leben, etwas mit der Entstehung von MS zu tun haben könnte.
Man hat auch schon an den Einfluss der Ernährung auf
die Wahrscheinlichkeit an MS zu erkranken gedacht- doch
dieser Zusammenhang ist noch nicht nachgewiesen.
Infektionen
Manche Forscher gehen davon aus, dass MS durch
eine aus der Umwelt stammende Infektion ausgelöst –
„getriggert“ – werden könnte. Bislang konnte
allerdings keiner dieser Erreger in Zusammenhang mit MS
gebracht werden. Man glaubt heute auch weniger, dass ein
einzelner bestimmter Erreger MS auslöst. Manche
Wissenschaftler vermuten, dass das Problem eher darin
liegt, wie MS-empfängliche Personen auf banale
Infektionen im Kinder- und Jugendalter reagieren.
Erbfaktor
Sehr wahrscheinlich besteht eine erbliche
Krankheitsbereitschaft, eine so genannte Disposition.
Soweit man weiß, ist dafür nicht eine einzige
Erbanlage verantwortlich, sondern eher eine Kombination
von verschiedenen Erbanlagen. In der folgenden Abbildung
ist ein Erbkörperchen, ein so genanntes Chromosom
schematisch dargestellt. Die Chromosomen sind in der
befruchteten Eizelle und in allen Körperzellen doppelt
vorhanden. Die Erbanlagen – die Gene – sind auf
diesen Chromosomen linear angeordnet. Zahlenmäßige
oder strukturelle Veränderungen der Chromosomen und
damit der Gene können zu bestimmten Krankheiten führen.
Bei der MS wird vermutet, dass ein Teil der Gene, die
einen Menschen für MS „empfänglich“ machen, das
Abwehr- oder Immunsystem steuern. Diese Hypothese wird
durch die HLA, die Humane Leukozyten-Antigen-Typisierung
der weißen Blutkörperchen untermauert. Aufgrund
bestimmter vererbter immunologischer Merkmale können
die weißen Blutkörperchen – die Leukozyten – des
Menschen bestimmten Merkmalsgruppen, also Typen,
zugeordnet werden. Dies nennt man Typisierung. Menschen,
deren weiße Blutkörperchen die HLA-Merkmale A3, B7 und
HDR2 tragen, haben offensichtlich ein 2 – 4fach erhöhtes
Krankheitsrisiko für MS.
Welche Rolle spielt das Immunsystem?
Die Ursache der MS ist nach wie vor nicht geklärt. Es
ist anzunehmen, dass mehrere Faktoren zusammentreffen müssen,
damit es zur Erkrankung und zu ihrem Ausbruch kommen
kann. Die Medizin nennt dies eine multifaktorielle
Genese. Derzeit gewinnen Befunde über eine autoimmune
Ursache zunehmend an Bedeutung. Möglicherweise in Folge
einer Virusinfektion im Kindes- oder Jugendalter wird
eine Immunreaktion angeregt, die später zu einer
Entmarkungserkrankung führt. Normalerweise dient das
Immunsystem mit dafür speziell ausgerüsteten Zellen
dazu, den Körper vor Erregern wie Bakterien oder Viren
und fremden Stoffen, zu schützen. Gelegentlich kann in
diesem komplizierten Ablauf eine Fehlregulation dazu führen,
dass der Körper auch eigenes Gewebe als fremd
deklariert und fatalerweise eine Immunreaktion gegen
sich selbst richtet. Eine solche Reaktion spielt
vermutlich bei der MS eine wesentliche Rolle.
Man bezeichnet die MS daher als Autoimmunerkrankung;
„auto-“ bedeutet hierbei „gegen sich selbst“.
Bestimmte weiße Blutkörperchen – die für die Immunüberwachung
und –reaktion verantwortlichen Lymphozyten - werden
aktiviert. Sie können die für das Gehirn spezifisch
eingerichtete Barriere, die so genannte
Blut-Hirn-Schranke, überwinden, sich in der Umgebung
kleiner Venen ansammeln und zu einer Entzündung führen.
Diese Entzündung, die mit einer Schwellung (Ödem)
verbunden ist, geht bei leichtem Ausmaß mit vorübergehenden
Beeinträchtigungen einher. In schweren Fällen ist die
Impulsleitung durch Zerstörung der Markscheiden an den
Nervenfasern dauerhaft beeinträchtigt. Die aufgelösten
Markscheiden werden von Fresszellen, den Makrophagen,
abgeräumt. In begrenztem Umfang können die
Markscheiden nach der Entzündung wieder aufgebaut
werden.
Voraussetzung für den Wiederaufbau ist der Erhalt der
Nervenfaser, des Axons, um die das Mark wie eine
Isolierschicht gewickelt ist. Gehen die Axone zugrunde,
ist eine Wiederherstellung nicht möglich.
Man geht davon aus, dass MS durch die Kombination von
verschiedenen Faktoren verursacht wird. Es ist
wahrscheinlich, das bestimmte Menschen für diese
Erkrankung anfällig sind, es sich also eher um eine
vererbte Veranlagung handelt. Dann lösen unbekannte
Umweltfaktoren bestimmte Reaktionen des Immunsystems
aus, die in der Folge zu einer Autoimmunerkrankung führen,
die die weiße Substanz des Zentralen Nervensystems schädigt
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