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Hier ist sie nun, meine MS Geschichte, obwohl man bislang eigentlich von
keiner Geschichte reden kann, denn erst seit August 2005 weiß ich, dass ich an
MS erkrankt bin. Im Juli 2005 hatte ich von einem Tag auf den anderen das Gefühl,
das mein Arm eingeschlafen wäre und meine Handinnenseite kribbelte wenn ich sie
berührte. Andere Symptome hatte ich nicht. Das Taubheitsgefühl weitete sich in
den nächsten Tagen auf meine linke Kopfhälfte aus.
Ich suchte dann meinen Hausarzt auf um sicher zu gehen, dass es nichts ernstes
ist. Nach Einrenken eines Nerves ging ich davon aus, dass es besser werden würde.
Ich fuhr dann erstmal mit meinem Freund in den Urlaub. Es wurde aber nicht
besser. Als ich aus dem Urlaub zurückkam ging ich wieder zum Arzt. Dr Hater
schickte mich zum Radiologen zum CT. Ich hatte wahnsinnige Angst vor der
Untersuchung, gar nicht wegen der Diagnose.
Es wurden 2 Herde im Rückenmark und im Gehirn mehrere kleinere Herde im Gehirn
festgestellt. Der Radiologe meinte zwar noch es könne auch Borreliose sein,
aber mein Hausarzt schloss das sofort aus. Er meinte, die Symptome und der
Befund lassen darauf schließen, dass es MS ist. Endgültiges Ergebnis würde
aber nur die Untersuchung der Hirnflüssigkeit ergeben. Musste dann also ins
Krankenhaus, zum ersten Mal. Ich hatte wahnsinnige Angst davor.
Meine Mutter brachte mich ins Krankenhaus. Schon bei dem Ausfüllen des
Krankenblattes und Gesprächen über meine bevorzugten Mahlzeiten wollte ich
anfangen zu weinen. Die Schwester war total lieb und ging dann auch wo sie
merkte, dass es so schwer für mich war. Ich kam zusammen mit einer
Schlaganfallpatientin auf ein Zimmer. War schon hart so etwas zu sehen.
Ich wurde zunächst von der Assistenzärztin untersucht, dann habe ich zusammen
mit meiner Mutter meine Sachen ausgepackt. Dann kamen auch schon 3 Schwester und
die Assistenzärztin und machten bei mir die Lumbalpunktion. Es war nicht so
schmerzhaft wie ich es vermutet hatte. Es war vielmehr sehr sehr unangenehm, ich
musste auch kurz aufschreien, aber dann war es schon vorbei. Kaum war die Punktion vorbei, bekam ich meine erste Dosis Kortison (1000mg). Ich
wusste gar nicht was passiert. Sie sagten mir, dass das immer gemacht wird. Die
Zeit im Krankenhaus war schrecklich, ich konnte nachts kaum schlafen, war ständig
am Grübeln. Am Freitag sollte ich dann entlassen werden, doch sagte man mir am
Donnerstag Nachmittag das es sein kann, dass ich doch noch länger bleiben muss,
da meine Beine anfingen zu kribbeln und man mir daher länger als 3 Tage
Kortison geben wollte. Am Freitag vormittag war Chefvisite und der Chefarzt
sagte glücklicherweise das ich das Krankenhaus nach dem Mittagessen verlassen könnte.
Meine Mutter musste arbeiten und daher holte mich meine Tante ab. Ich konnte im
Auto kaum sitzen, mir war vom Kortison noch total komisch.
Als ich dann endlich zuhause war legte ich mich sofort ins Bett. Am Nachmittag
kam mich meine beste Freundin Katrin und ihr Freund Ingo besuchen. Fands schön,
dass sie kamen. Sie waren damals die ersten denen ich von dem Verdacht auf MS
erzählte. Mir war es wichtig, dass sie es als erste erfahren, denn auch Ingo's
Mutter hat MS. Kaum waren die zwei weg, kam noch Markus (der beste Freund meines
Freundes) und besuchte mich. Hab mich sehr gefreut, war aber froh, als ich
wieder meine Ruhe hatte.
Der Abend war schlimm. Ich tobte förmlich, weinte bestimmt eine Stunde lang
weil mir erst bewusst wurde was diese Krankheit für meine und Tim's Zukunft
bedeutet. Ich war am nächsten Tag völlig k.o. und down. Wo der erste Schock vorbei war, kam das Warten auf die Ergebnisse der
Untersuchungen. 2 ganze Wochen ließ mich das Krankenhaus Meppen auf die
Liquoruntersuchungsergebnisse warten. Doch ein paar Tage vor dem Termin in
Meppen hatte ich dank meines Hausarztes das große Glück einen Termin bei Dr.
Haller in Osnabrück zu bekommen.
Hatte schon vieles über diesen Neurologen gehört und war gespannt. Und er ist
wirklich so wie er mir beschrieben wurde, total nett, nahm sich Zeit und erklärte
alles verständlich für mich und auch für meine kleine Schwester (die auch mit
war). Er untersuchte mich nochmal bevor er sich die Unterlagen ansah. Ihm viel
nichts auf, kein neurologischer Ausfall. Dann sah er sich die Bilder meiner
Wirbelsäule und des Rückenmarks an. Er fand auch die zwei Entzündungsherde,
sagte aber, dass sei alles im Rahmen. Er erklärte es mir so, dass es sein kann,
dass ich in nie viel von der MS mitbekomme. Das Gespräch tat mir sehr gut, ich
war richtig gut drauf.
Dann kam einige Tage später das Abschlussgespräch mit dem Chefarzt in Meppen.
Dieser sagte eigentlich dasselbe wie der Neurologe in Osnabrück. Klar ist, dass
ich Multiple Sklerose habe und das es nicht mehr weggeht. Man nennt es auch
chronische MS. Das Kribbeln was ich in der Hand habe, kommt durch die Entzündungsherde
im Rückenmark. Diese Herde sind auch auschlaggebend für die Diagnose MS. Denn
Entzündungsherde bzw. diese Pünktchen die man auf dem CT sehen konnte, gibts
auch bei Menschen, die keine MS haben. Bin beruhigt, dass die Entzündung im
Gehirn also nicht so schlimm ist. Denn wenn man hört "Ich habe eine Entzündung
im Gehirn" finde ich das heftig. Nichts desto trotz ist diese MS da und sie
bleibt. Ich muss und kann auch damit leben. Es ist nicht gesagt, dass ich mal
schwerstbehindert sein werde. Man muss sehen, was die nächsten Jahre bringen.
Der Arzt meinte, ich solle einfach so weiter leben wie bisher.
Jeder der die Diagnose bekommt weiß, dass das nicht ohne weiteres geht. Ich
wollte es auch ehrlich gesagt nicht. Die Krankheit zeigt einem doch, das der
bisherige Lebensstil nicht der richtige war. Was hat sich also durch diese Diagnose für mich geändert? Ich bin angefangen
abzunehmen mit mehr oder weniger Erfolg. Ich trinke mehr Wasser, ernähre mich
bewusster und gesünder. Ich versuche auch mehr Sport zu machen, gehe regelmäßig
zur Krankengymnastik. Alles positive Dinge. Leider habe ich vor einem Monat meine Arbeitsstelle verloren, was mich auch körperlich
ziemlich zurückgeworfen hat. Im Moment arbeite ich als Aushilfe im Büro, aber
nur 5 Stunden täglich, denn länger kann ich nicht sitzen. Ich sehe mich z.Zt.
nicht in der Lage acht Stunden lang im Büro zu arbeiten. Auch wenn ich es mittlerweile akzeptiert habe, dass ich an MS erkrankt bin, kann
ich immer noch nicht damit umgehen, dass ich "unheilbar" erkrankt bin
und nicht weiß, wie es in Zukunft mit mir weiter gehen wird.
Stand: 18.12.2005
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